"Über den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen..."

SO: JETZT ERSTMAL TIIIIIEEEEEEEF EIN- UND AUSATMEN.

 Alles ganz ruhig.

So. Ich bin also noch hier im Amiland.

Das Rematch hatte sich noch als recht nervenaufreibende Sache herausgestellt und ich hab aber dann noch auf den letzten Drücker mit einer Familie aus Morgantown, einem Vorort von Philadelphia, ge-matcht. Also letzter Drücker insofern, als dass mein Rematch ja am 31. OKtober zu Ende gewesen wäre und ich erst 2 tage vorher - also am 29 okt-das erste mal mit meiner jetzigen Gastmutter- Bobbi Heuer-  telefoniert hab. Zum Glück ist Bobbi ganz schön auf Zack und hat sich also innerhalb eines Tages für mich entschieden und auch die ganze Sache nagelfest gemacht. So hatte ich also schon 24 Stunden nach dem ersten Telefonat mit Bobbi mein Flugticket nach Philadelphia in der Hand.

DER LETZTE TAG IN CHICAGO

Somit war mein letzter Tag in Chicago dann wirklich der 31. Oktober, was witzigerweise ja gleichzeitig auch Reformationstag und Halloween war. So hab ich dann meinen letzten Tag damit verbracht, stundenlang mit meinen damaligen Gastkindern trick-or-treating zu laufen; was so funktioniert: die Kinder verkleiden sich (voll süß und dann muss man mit denen durch die gesamte Nachbarschaft und an jedem Haus wird dann zu dem entsprechenden (meistens Vater) Hausbewohner, der im Garten wartet, gelaufen und der dicke, fette Eimer ausgestreckt und dann rufen die Kiddies "TRICK OR TREEEEEEEEEEEAAAAAAT!" und dann kriegen se was Süßes. Ja und genau dieses Spiel lässt Kinder ungeahnte Energien entwickeln. Kein Weg ist zu lang, kein Haus zu weit entfernt, kein Eimerchen ausreichend gefüllt. Und die kindliche Erschöpfung sieht man dann nur daran, dass sie irgendwann sonen verbissenen Gesichtsausdruck kriegen und der SAtz auf "Trick...?!"plus bittender Blick verkürzt wird.

DIE LETZTE NACHT IN CHICAGO

Ja, aber irgendwann war auch das vorbei und so konnte ich den Abend dann so einleiten, wie die meisten Abende der letzten zwei MOnate in Chicago eingeleitet wurden: treffen mit Anke und Tina bei -naürlich- Starbucks. ZWei white chocolate mocca frappuccino und einen shaken iced tea lemonade green tea, venti, sweetended später waren wir drei wieder bei bester Laune und mitten im bunten Gequassel. Ich meine, uns ging ja nie das Gesprächsthema aus, aber da, an meinem letzten Abend war die Wortdichte im Roscoe/ Seeley- Starbucks doch noch um Einiges höher. Im Verlauf des Abends sind wir dann noch zu Ankes Haus und haben einfach nur weitergeredet und später noch zu meinem Ex-Gastfamilien-Haus und die Mädels haben mir packen geholfen. Und weil ich irgendwie mein Geld ziemlich gut in beständige Werte (wie Charlotte Russe Schuhe und Adidasjacken und und und) angelegt hatte, musste so Manches aussortiert werden. Also gut, dass die Mädchen da waren, denn ich selber kann mich ja von nix trennen. Am Ende mussten jedenfalls alle Aupair- Handbücher dran glauben (Müll) ebenso wie ein paar komfortable aber unschöne Schlumperpullis (in Ankes und Tinas Besitz übergegangen).

So und dann kam der schwere Part: Verabschiedung von meinen Mädchen und noch einmal schlaflos schlafen in Chicago.

Zum Glück war ich am nächsten Morgen nicht alleine, denn Tina ist netterweise nochmal vorbeigekommen (Anke und Ania mussten arbeiten) und hat mir geholfen, die Koffer aus dem Haus und ins Taxi zu hiefen und außerdem mir einen schönen Abschied zu bereiten. Einen Abschied, bei dem man an die schöne Zeit denken darf, die man zusammen hatte und bei dem man das Gefühl haben darf, dass einen jemand vermissen wird. Ich will nciht daran denken, wie ich mich gefühlt hätte, hätte mein Chicago-Abschied nur aus der labberigen Umarmung meiner Ex-Gastmutter bestanden.

Nun ja, im Taxi war mir dann irgendwie doch nach Weinen zu Mute (oh Gott wenn ich das so schreibe, durchleb ich die Situation echt nochmal genauso, obwohls schon drei wochen wieder her ist mittlerweile). Ich mochte Chicago! So eine schöne Stadt! Und was wir alles lustiges gemacht haben! Und wie ich hier angekommen bin, so aufgeregt und erwartungsvoll... ach und da rechts ist das Kino ...Mensch am Dienstag ist Kinotag, da könnte ich sonst mit Anke und Tina SAW5 gucken und Anke würde während des ganzen Filmes sagen "ich versteh nicht, warum wir nicht mal was Schönes gucken können. was habt ihr denn gegen high school musical 3???" aber nein, stimmt ja: schon in ein paar STunden bin ich ja in Philadelphia. Ja meine Gedanken flogen hin und her während der Taxifahrt.

Und dann der Flughafen. Gleiches Gefühl wie in new yok damals: keine Mutti und Papi die einem durch das airport-wirrwarr helfen und einen in den richtigen Flieger setzen. neee neee. Doch zum Glück war ich diesmal dann nicht mehr so erschlagen von der kalten Realität, weil ich es ja immerhin schon kannte. Auch wenn das Gefühl immer noch nicht viel besser war. Jedenfalls gabs dann noch ein Drama, weil mein einer Koffer 3 pfund zu schwer war....der Typi wollte mir doch echt eine übergewichtspauschale von 50 dollar abnehmen wegen 3...beschissenen- verzeihung- pfund. aber entschlossenheit zahlt sich aus: nicht über meine leiche bezahlt ich 50 dollar wegen etwas über nem kilo! so viel stand fest! also überzeugungsschema durchgehen:

nachdem ich dem mann am schalter erst versucht habe davon zu überzeugen, dass man bei 3 pfund ruhig großzügig sein könnte, weil ich als person ja dafür weniger wiege als jetzt z.b. ein dicker opa oder nen großer mann und somit nicht das gesamte flugzeug "beschwere" und ihm anschließend (nachdem diese bestechende logik den schaltermann kalt gelassen hatte) eindrucksvoll demonstriert habe, wie ich gestern abend auf meinen koffern rumhüpfen musste, damit diese überhaupt sich irgendwie schließen ließen und ich sie deswegen nicht plane, nocheinmal zu öffnen...

war der typ doch immernoch stur!

und dann dachte ich "okay, du lässt dir ja hier nicht alles gefallen. erst rematch, dann will der schaltermann noch geld mi dir machen! Dann gibts jetzt halt ausnahmsweise mal den selten genutzen NOTFALL PLAN D!" und dnan gings los! Ich hab ne riesen szene mitten auf dem Eincheck-gelände gemacht und hab wild mit meinenarmen gewedelt und dann anfangen zu weinen und zu wimmern (laut) "ich armes, deutsches, allein gelassenes aupair-mädchen. hab ja nichts außer meiner zwei köfferlein (die buckelnummer hab ich weggelassen) und jetzt soll ich auch noch 50 dollar bezahlen - die ich nicht habe- für 3 lächerliche pfund! ich hoffe sie können abends ruhig schlafen!!!"

Und da hat der Schaltermann sich am Ende dochüberzeugen lassen und meinte "ja is ja gut. ich hab die koffer. gehen sie bitte weiter!" Und ich dacht mir nur so "na geeeeeht doch! warum denn nicht gleich!?".

Der 3-stunden Flug nach Philadelphia war dann recht kurzlebig und abgeholt wurde ich von Aleigh, 14 (mein neues Gastmädchen), Ethan, 7 (Gastjunge) und Vater Anthony, der aber von der Mutter geschieden ist und nur am Wochenende zu Hause ist bei den Kindern -und der Mutter komischerweise, aber geht mich ja nix an.

Und hier bin ich jetzt schon seit fast drei Wochen. In Morgantown, Vorort von Philadelphia und Schauplatz von dem Märchen Schneewittchen (okay zugegeben: die sieben Zwerge fehlen, aber die Gegend ist soweit authentisch).

Nee mal im Ernst: das ist hier das Kuhkaff schlechthin! Aber man gewöhnt sich daran. Immerhin bin ich jetzt nach 3 Wochen schon ein routinierter Autobahn-fahrer (was ich vorher definitv nicht war), da ich jeden Tag insgesamt mindestens 3 Stunden Autobahn fahren muss... ja so ist das im Vorort- da sind die Entfernungen halt in anderen Dimensionen als bei uns in Berlin. Sogar zum nächsten YMCA fährt man 40 min. Autobahn. Aber diese Reise lohnt sich sag ich euch- eine der schönsten Schwimmhallen die ich kenne und dazu natürlich die üblichen ymca Angenehmlichkeiten wie Fitness-Bereich und diverse Kurse (Yoga, Piltes usw.).

Ich kann also mein neugewonnene Freizeit (ich muss in dieser Familie nur noch 30 statt vorher 45 Stunden pro Woche arbeiten für gleiches Geld!) eigentlich ganz gut nutzen. Nur mit Freunden stehts leider im Moment noch nciht ganz so gut wie ichs gern hätte, aber ich arbeite dran.

So nächste Mal dann zu meinem jetzigen ("Arbeits-"allltag, weil jetzt muss ich Aleigh zum Math-counts fahren (20 min.).

Bis hoffentlich bald! Machts alle gut! Eure Tini

19.11.08 17:28, kommentieren

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Bilder!

Ania und ich am Strand von Kenilworth

Ania und ich beim Shoppingspaß

Coffee-Crew!!!! (Tina, Anke und ich)

Coffee-crew at cat-meow-bar

18.10.08 10:26, kommentieren

Woche 8: "Keiner hat gesagt, dass es leicht wird..."

Soooo... erstmal bitte ich um Verzeihung meiner Leserschaft, die in den letzten vier Wochen doch reichlich vernachlässigt wurde.

Aber dafür gibts zumindestens Einiges zu erzählen (und das ist keinesfalls zu viel versprochen)!

Nach mehreren kleinen und großen Problemchen mit der Familie Wiley steht jetzt also seit heute, Freitag 17. Oktober 2008 13uhr fest, dass ich im "Re-match" bin. Heißt die Familie Wiley wird sich wieder nach einer neuen AuPair umgucken müssen und ich meinerseits suche mir eine neue Gastfamilie bzw. werde von interessierten Familien angerufen, von denen ich mir dann evtl. eine aussuche. Auf gut deutsch: der ganze Vermittlungskram geht wieder von vorne los. Nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass ich jetzt wohl weniger euphorisch und unendlich viel abgeklärter an die ganze Sache herangehen werde. Was soll man sagen: der Feenstaub is ab.

Für den gesamten Neuvermittlungsprozess gibt meine Agentur AuPairInAmerika zwei Wochen. Das heißt, dass ich spätestens Freitag in zwei Wochen entweder bei einer neuen Gastfamilie bin oder im Flieger zurück nach Hause. Beide Alternativen scheinen im Moment für mich als deutliche Verbesserung der derzeitigen Lage!

Zwar möchte ich das Projekt Amerika eigentlich nicht so schnell sinken lassen, aber sollte sich in den nächsten zwei Wochen keine Familie melden, bei der ich ein gutes Gefühl habe, so werde ich mir keine unnötigen Qualen zufügen. Und zum Glück habe ich ja ein warmes Elternhaus, in das man doch immer wieder gerne zurück kehrt -wenn auch früher oder unter anderen Umständen als das Bilderbuch es vrspricht. 

Insofern harre ich jetzt der Dinge, die da kommen werden in den nächsten Tagen und versuche meine Zeit hier noch so gut wie möglich zu genießen.

Was ich wohl nicht mehr tun muss, ist die letzten Wochen zu reflektieren, denn diese Aufgabe habe ich unterdessen mehr als übererfüllt.

Und was für eine Gastfamilie stell ich mir jetzt vor??? Und vor allem: Wo solls hingehen???

Nun ja: die Stadt Chicago gefällt mir super. Außerdem hab ich jetzt hier drei Mädchen, die mir wahnsinnig ans Herz gewachsen sind. Und zwar gerade weil ich mit denen zusammen wiklich durch das tiefste Tief und das seltsamste Hoch gegangen bin. Wir haben sooooo viel Spaß hier zusammen gehabt und Chicago entdeckt (und die Starbucks- Produktpalette) und außerdem irgendwie versucht, füreinander das zu sein, was sonst große Familien und riesige Freudeskreise sind. Und es hat eigentlich auch geklappt. De Fakto waren die schönsten Momente in Chicago für mich immer diejenigen, in denen ich mit den Mädchen zusammen war. Das hört sich jetzt ganz kitschig an, aber es ist tatsächlich so, dass ich mir innerlich wünschte, diese drei Mädchen für immer an meiner Seite zu haben, weil ich überzeugt bin, dass ich mit denen wirklich alles durchstehen könnte.

Diese drei Mädchen sind also faktisch Chicagos größter PLuspunkt auf meiner Liste.

Ansonsten denke ich auch irgendwie, dass es vielleicht schön wäre, nochmal nen anderen Teil der USA kennen zu lernen. Und sollte sich eine nette Familie aus einer interessanten Stadt außer Chicago melden, so wär das wahrscheinlich die ideale Möglichkeit noch mehr "rumzukommen". Naja, mal sehen wer sich so bei mir meldet.

Abgesehen vom Wohnort weiß ich jetzt, dass viele Dinge, auf die ich bei meiner ersten Suche nach einer Gastfamilie geachtet habe, eigentlich nicht entscheidend sind. Die Wichtigkeit anderer Aspekte wiederum, an die ich vorher überhaupt keinen Gedanken verschwendet hätte, als ich noch in BErlin war, hab ich jetzt erst mit dem ersten Sturz erkannt.

Zwar war das Zusammensein mit der Gastfamilie, bei der ich bis jetzt gearbeitet habe, nicht wahnsinnig prickelnd, jedoch hab ich es geschafft mir im Laufe des Tages (und vor allem DES ABENDS bei unzähligen Mojito mit meinen Mädels in der cat-moew-bar...also soo streng is das alles nicht) einzureden, dass mich diese quasi "NEGATIV-ERFAHRUNG" langfristig gesehen vielleicht weiterbringt als schick-schau-dufte ohne Unterbrechung ein Jahr lang.

Jedenfalls kann ich wohl ohne Übertreibung sagen, dass meine Persönlichkeit schon Einiges an Tiefgang zugelegt hat in diesen letzten 8 Wochen.

Und zu guter Letzt lasst mich nochmal festhalten, dass ich ja ursprünglich nach Amerika gegangen bin, um ein Abenteuer zu haben. Tja, und manchmal, halt nur ganz manchmal, kriegt man halt einfach mehr als man erwartet...

1 Kommentar 18.10.08 09:45, kommentieren

navy pier bei nacht

1 Kommentar 22.9.08 05:44, kommentieren

chicago skyline von unserem boot aus

1 Kommentar 22.9.08 05:38, kommentieren

umzingelt downtown

1 Kommentar 22.9.08 05:34, kommentieren

wir vier am navy pier...wir waren zwar mehr aber das reimt sich so schön!

1 Kommentar 22.9.08 05:29, kommentieren